Haus des Lebens - Wohnheim für psychisch kranke Menschen

 

Freizeit im Nordseeferienpark Fedderwardersiel vom 16. - 23. Juni 2018

von Martina Feldmann

Erbarme!! (zu spät!) Die Hesse komme……………..!!!

Und schon wieder ist ein Jahr vergangen (wie?!? So schnell!?!) und was bedeutet das für die BewohnerInnen und Ex – BewohnerInnen des Haus des Lebens? Jawolll!! Es geht wieder in die Freizeit!!

Dieses Mal sind die „Leidtragenden“ unseres einwöchigen Besuchs die „Nordlichter“, sprich die Menschen in und um des Ferienparks Fedderwardersiel.

Das Leitungsteam unserer Ergo hat wieder mal keine Mühen gescheut und somit diesen schönen Ferienpark in Butjadingen gefunden, eine schöne grüne Halbinsel zwischen Bremerhaven und Wilhelmshaven direkt hinter dem Deich.

Dieser Ferienpark bestand aus vielen kleinen Bungalows in verschiedenster Form mit schönem großen Wohn – Essbereich, zwei Schlafzimmern mit jeweils einem Doppelbett und zwei Einzel- bzw. Hochbetten, Bad und Terrasse. Sie waren geschmackvoll eingerichtet mit allen Annehmlichkeiten des modernen Haushalts wie Spülmaschine, Mikrowelle und großem Flachbildschirm.

Wir, das waren „unsere Jungs“ ( sechs an der Zahl und alle in den Zwanzigern), vier „gestandene“ Männer, drei weibliche Personen, sowie Herr Frank (stellv. Leiter des Haus des Lebens), Frau Dachsel (unsere Ergotherapeutin) und ihr „ständiger Begleiter“, der Labrador Cezar, sowie Frau Heimann (Leiterin der Inklusionsgruppe), bewohnten fünf dieser Häuser.

Nach der Ankunft und dem Auspacken „fielen“ einige von uns bei „Netto“ ein, um Lebensmittel, Getränke, Klopapier etc. fürs Wochenende zu kaufen.

Es war schon echt interessant zu sehen, welche Vorstellung der eine oder andere unserer Jungs davon hatte, was man so für vier Personen braucht. So meinten sie, dass z.B. drei Päckchen Nudeln, vier Gläser Tomatensauce, drei Päckchen Toastbrot und sechs Flaschen Wasser reichen würden. Dafür war aber dann die Chips –und Erdnussflipsabteilung wie leergefegt (hi hi J J !!!).

Der Rest des Nachmittags stand zur freien Verfügung um erst einmal „anzukommen.“ Aber einige von uns zogen schon in freudiger Erwartung auf des solchen in Richtung Meer, kletterten den Deich hinauf und dann………………….. ????!!!! Kein Meer!!!! Es war nicht da!!!!! Es war einfach weg!!! Welche Enttäuschung!!! So `ne Mogelpackung!!!!!

Glücklicherweise gab es im Freizeitpark u.a. auch einen Bolzplatz, sodass (zumindest die Jungs) ihren Frust darüber ( J J) beim Fußballspielen ablassen konnten.

Am nächsten Tag, ein Sonntag, durfte bis zum Mittag gefaulenzt werden bzw. einige von uns nahmen an einem Gottesdienst teil.  Am Nachmittag fand dann ein Minigolfturnier statt, das ungeahnte Talente zum Vorschein brachte. Der Rest des Tages stand zur freien Verfügung. Wer wollte, konnte die Möglichkeit mit zum Public Viewing im Rahmen der Fußball – WM zu fahren, nutzen. Und ein paar von den Jungs nahmen die Gelegenheit wahr mit den „Kettcars für Erwachsene“, die der Freizeitpark zur Verfügung stellte, ein Rennen zu veranstalten, was für alle ein großer Spaß war und glücklicher Weise ohne Blessuren, trotz rasantem Fahrstil, endete.

Am Montag stand ein Ausflug nach Bremerhaven auf dem Programm, dessen Sehenswürdigkeiten wir eins, zwei Stunden auf eigene Faust erkunden oder auch für Einkäufe nutzen konnten. Erkundet wurden hauptsächlich die „Sehenswürdigkeiten“ C&A, Burger King o.ä. (J J).

Das schöne war, dass unsere beiden Kleinbusse direkt am neuen Hafen geparkt wurden und dieser somit für uns gut erreichbar war. Er wurde – wie von den Medien groß berichtet - völlig neu konzipiert und gestaltet. Es war in jeglicher Beziehung eine Wohltat dort zu flanieren. Wirklich eine Reise wert! Am Nachmittag gab es die Option, entweder eine Hafenrundfahrt mitzumachen, den neuen Zoo am Hafen zu besuchen oder wieder nach Fedderwardersiel zurückzufahren.        

Diejenigen, die sich für eine der Aktivitäten entschieden hatten, kamen begeistert wieder zurück. Der Zoobesuch war selbst für Cezar ein voller Erfolg, denn dadurch, dass die „Einzäunungen“ aus Glas waren, konnte auch er die Tiere beobachten, was er immer mal wieder durch ein Brummeln oder auch durch ein  Schwanz wedeln, goutierte.

Um wieder den Rückweg zu finden wurde dafür, wie ja heutzutage üblich, das „gute“ und inzwischen „alte“ Navi behelligt. Und?!? Was passierte?!? Was man eigentlich nur vom Hörensagen oder aus dem Fernsehen kennt……………………………. wir landeten fast im Meer!!! Zumindest dachten wir das. Da wo wir landeten, gab es einen Fähranleger , der so klein und unscheinbar war, dass man ihn erst gar nicht als solchen erkannte. Dann kam aber heraus , dass Frau Dachsel und Frau Heimann ganz bewusst dorthin wollten , denn die Fähre fuhr genau in die Richtung, in die wir sowieso mussten. Und das bedeutete für uns: Juchhu!!!! Schiffchen fahren!!!! Oh, wie gut das tat!! Den Wind um die Ohren, die salzige Luft schnuppern, aufs Meer hinausschauen…………………, einfach klasse und Balsam für die Seele!!!!

Ein weiteres Highlight sollte gleich am nächsten Tag folgen, nämlich ein Ausflug zu einem Tier –und Freizeitpark. Wenn man jetzt denkt, diesbezüglich schon alles gesehen zu haben, hatte man sich „geschnitten“ und wurde eines besseren belehrt.  So konnte man z.B. hautnah  erleben, wie Affen, die in einem sehr großen Areal mit verschiedensten Bewegungs- und Klettermöglichkeiten lebten, sich untereinander „unterhalten“. Über Lautsprecher wurden sie dafür immer mal wieder durch spezielle „Töne“ angeregt zu „antworten“. Die Intensität und Lautstärke ihrer „Antworten“ (Rufe) war fern von jeglicher Vorstellungskraft. Einfach unbeschreiblich und bombastisch!

Des weiteren gab es z.B. eine Art riesengroße Voliere, in der sogar große Vögel mehr als ausreichend Platz hatten zu fliegen. Unten am Boden gab es unterschiedliche Steinformationen mit Höhlen als Rückzugsmöglichkeit oder zum Nisten für die verschiedenen Vogelarten, die dort untergebracht waren, aber auch für die Pinguine, für die ein großer See angelegt worden war. Rundherum waren die Flächen mit Gras und Büschen bestückt.

Bei unserem Rundgang  flogen immer wieder Störche ganz dicht über unsere Köpfe hinweg zu ihrem Nest, was man nun ja ebenfalls nicht alle Tage erlebt und wir lernten, dass dies das erste Storchenpaar seit vielen Jahren ist, das im Park nistet.

Aber nicht nur die Tierfreunde kamen auf ihre Kosten, sondern auch für den „Bewegungstrieb“ war gesorgt anhand vieler unterschiedlicher Möglichkeiten zum Spielen und Austoben - und nicht nur für Kinder, wie sich herausstellte. So gab es ein ca. 30m x 20m x 5m aufgeblasenes Art riesengroßes Ei, auf dem man herumspringen konnte. Das ließen sich unsere Jungs nicht zweimal sagen und versuchten sich im Salto springen und starteten den Wettbewerb: „Wer bekommt den schönsten (Salto)  hin?“ Und? Wer zog dann ebenfalls die Schuhe aus und machte mit? Na?! Keine Idee?! Doch, na klar!! Unsere Ergotherapeutin Frau Dachsel! Und alle machten auf ihre „sehr individuelle“ Weise den „schönsten“ Salto.   

Abends hatten die Jungs dann wieder die Gelegenheit sich beim Fußball spielen auszutoben, was sie eifrig nutzten.

Der nächste Morgen begann mit einem gemeinsamen Frühstück mit all unseren Betreuern, die auch die Brötchen sponserten und da das Wetter sonnig und warm war, fuhren wir anschließend zum Nordseebad „Lagune“ zum Schwimmen und Sonnen (und für die Jungs: „süße girlies“ gucken und ein bisschen flirten). Abends brachte uns (also die, die wollten) Herr Frank an den Friesenstrand in Tossens um Muscheln zu sammeln und einen wunderschönen Sonnenuntergang über dem Horizont zu genießen.

Am Donnerstag stand eine Fahrt mit einer Bimmelbahn von Fedderwardersiel nach Tossens auf dem Programm, mit einem „Guide“, der über die Besonderheiten der Gegend erzählte.  Dabei konnte (bzw. musste) Herr Frank seine rennfahrerisches Talent beweisen, denn die Bahn war schon weg als wir dort ankamen und er musste ordentlich Gas geben um rechtzeitig den nächsten Halt zu erreichen (dazu muss man erwähnen, dass das Bähnchen natürlich eine andere Strecke befuhr als der öffentliche Straßenverkehr).

Abends durften wir die dortige Bowlingbahn unsicher machen, was allen großen Spaß machte. Nach konzentriertem Nachzählen stellten wir fest, dass alle Finger wieder mit zurückkamen. Puh!!

An unserem letzten Tag war das Wetter kalt und regnerisch, sodass wir in ein nahe gelegenes Freizeitbad fuhren. Die Ausmaße dieses Freizeitbads waren enorm, mit Indoor- und Außenbereich, diversen Wasserrutschen unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade, vielen verschiedenen Schwimmbecken und eine Art Rundbahn, in der das Wasser regelmäßig „schnell“ gestellt wurde und man dadurch regelrecht mitgerissen wurden. So war für jeden was dabei und alle hatten ihren Spaß. Und wer fuhr am häufigsten auf der schnellsten und längsten Rutsche?! Ja, natürlich!! Frau Dachsel und Herr Frank.

In einer Ecke des Schwimmbades gab es zur Freude besonders der Jungs ein kleines Schnellrestaurant und die meisten stürzten sich mit Freude auf Bratwürstchen, Pommes und/oder Burger. Wir hatten also wieder einmal einen schönen ereignisreichen Tag, wofür wir alle sehr dankbar waren.

Aber………………….! Das sollte es noch nicht gewesen sein, denn………………… am Abend gab es noch eine schöne Überraschung! Wir sind nämlich wieder nach Tossens gefahren und wurden in einem dortigen Restaurant zu einem vorzüglichen Essen eingeladen.  

Tja, und das war`s dann schon wieder, denn am nächsten Tag ging es nach Hause und wir dachten, frei nach Nelly Furtado: „Why do all good things come to an end.“

Fortsetzung folgt…………………….!