Haus des Lebens -                                                  besondere Wohnform für psychisch kranke Menschen

 

lange Freizeit vom 31.08. - 07.09.19 am Holzendorfer See / Mecklenburgischen Seenplatte

 Die diesjährige lange Freizeit führte uns „jot weh deh“, also gaaanz weit weg, nämlich zur Mecklenburgischen Seenplatte.

Und wieder waren wir eine ganz gemischte Truppe von EinrichtungsbewohnerInnen und Ex – Bewohnern des HDL, die inzwischen im Betreuten Wohnen leben.

Das „Vergnügen“ uns zu betreuen hatten dieses Mal („dieses Mal“ deswegen, weil es einschneidende tiefgreifende Veränderungen seitens der Betreuerbesetzung gab) Herr Frank der stellv. Leiter des HDL, Frau Heimann, die unsere Inklusionsgruppe unter ihrer Fittiche hat, sowie (und das ist die einschneidende Veränderung) Frau Tausch, die „im richtigen Leben“ für die Nachtbereitschaft und das Ausfallkonzept zur Verfügung steht. Das bedeutete für uns, dass unsere Ergotherapeutin Frau Dachsel, die sonst IMMER und damit auch ihr Labrador „Cezar“ dabei sind, fehlten und fast alle von uns bemerkten: „Oh wie schade!! Der Cezar (unser Bubelchen!) ist nicht dabei!!! :-)

Morgens um 10 Uhr ging`s dann, nachdem sich alle ein Lunchpaket gemacht hatten und die vielen Koffer und Reisetaschen eingeladen waren, mit zwei Kleinbussen los zum ca. 620km entfernten Reiseziel.

Die Fahrt erinnerte an die eigene Kindheit: wir haben Autokennzeichenraten gespielt oder „wer sieht zuerst das schnellste Auto“, wir winkten den Insassen von Reisebussen beim Überholen zu, die Lunchpakete waren in Nullkommanix gegessen und die Fragen „wann sind wir endlich da?!“ häuften sich.

Ein riesengroßes Lob an unsere beiden FahrerInnen Frau Heimann und Herrn Frank, die das alles stoisch ertrugen und uns wohlbehalten an den Urlaubsort brachten, denn die Fahrt war doch ein ganz schöner Schleif.

Unsere Unterkunft war ein großes sehr großzügig geschnittenes Ferienhaus mit zehn Zwei- bzw. Dreibettzimmern, zwei Küchen, davon eine richtig große Wohnküche mit langer Speisetafel (fast so wie bei „Königs“ im Schloss), an der alle Platz hatten, mit einem großen Wohnzimmerbereich und einer weiteren Sitzgruppe in einem gemütlichen Ambiente. Als Rückzugsmöglichkeit gab es ein weiteres großes Wohnzimmer, beide waren  mit Musikanlagen und großen Flachbildschirmen bestückt. Es gab einen Wintergarten, eine große Terrasse und einen Grillplatz. Diverse In –und Outdoorspielmöglichkeiten, Ruder –und Tretboote standen zur Verfügung. Das Highlight aber war, dass der Holzendorfer See direkt vor unserer Haustüre war.


Nach kurzem Rundgang über das weitläufige Gelände und dem Auspacken, ging es daran das Abendessen zuzubereiten. Unter Federführung von Frau Tausch wurden alle anfallenden Arbeiten wie z.B. das Kochen, aber auch das Müllwegbringen (worum sich natürlich alle rissen :-) erledigt. Man hatte aber auch keine Wahl, wenn Frau Tausch kochlöffelschwingend den Drückebergern hinterherlief.

Es gab Spaghetti mit Hackfleischsoße und Salat. Nach dem Spülen, Aufräumen und dem Vorbereiten einen Teil des Essens für den darauffolgenden Abend, haben wir auf der Terrasse sitzend einen wunderschönen Sonnenuntergang bestaunt. Später am Abend entdeckte einer von uns einen regelrechten „Schatz“ in einer der Wohnzimmerschrankschubladen: eine ganze Menge an Schallplatten, die insbesondere die ältere Generation in Erinnerungs –und Gefühlswallungen brachten. Bei Musik von „CCR“ rockten Frau Tausch und zwei weitere ältere Damen ab. Allerdings war nach 1 ½ Liedern schon wieder Schluss, denn sonst hätte alles mit einem Kreislaufkollaps geendet: Kondition? Was ist das?

Nach ausgiebigem Frühstück ging`s am nächsten Tag zur Insel Poel.  Da die Autorin dieses Textes nicht selbst dabei sein konnte, hier ein kurzer Bericht der Mitgefahrenen: es gab Dünen, einen schönen Strand und, trotz kühlen Wetters, trauten sich die beiden Betreuerinnen wagemutig ins Wasser (aber auf Knöchelhöhe war dann auch Schluss mit dem Wagemut  und beide waren flugs wieder an Land  - diese Frierkatzen!! Die Jungs machten inzwischen einen Imbissbudenbetreiber glücklich und Herr Frank war völlig erstaunt, dass dies der berühmte „Timmendorfer Strand“ ist, denn der Leuchtturm und auch der Ort trugen den Namen „Timmendorf“.

Abends hat Herr Frank mit ein paar von unseren Jungs den Grill angeschmissen und uns mit Würstchen, Steaks und „Grillfackeln“ versorgt. Der von Frau Tausch zubereitete Nudelsalat war aber auch nicht zu verachten.

Am nächsten Tag fuhr Herr Frank mit einem Teil der Gruppe zu einem bekannten Erlebnisbad nach Schabeutz und somit an den „richtigen“ Timmendorfer Strand (surprise, surprise!!), der „Rest“ machte einen Ausflug nach Malchow, ein schönes Örtchen, das idyllisch von einem See umrahmt ist, was zum Flanieren einlud. Ein Besuch im dortigen „DDR-Museum“ brachte alte Erinnerungen hoch, denn es war natürlich auch eine Zeitreise für die älteren von uns, die nicht in der DDR aufgewachsen sind. Somit hatten wir alle wieder einen schönen Tag, der erneut gekrönt wurde von einem köstlichen Abendessen.


Der nächste Tag sollte uns nach Rostock führen. Wir durften die Stadt auf eigene Faust erkunden. Wen es zum Hafen zog, konnte u.a. einen schönen alten Dreimaster aus Holz bestaunen, der im Besitz von Joey Kelly ist, wie ein davor aufgestelltes Schild verriet. Gleich daneben ankerte ein alter Eisbrecher noch aus  UDSSR - Zeiten, den man besichtigen kann. Absolut empfehlenswert! War echt höchst interessant! Auch unsere „Jugend“ kam auf ihre Kosten, denn natürlich waren auch ein „MacDonald`s“ und ein „Burger King“ vor Ort ( ).

Abends gab es wieder ein gutes Essen und danach war Chillen angesagt oder auch diverse andere Freizeitmöglichkeiten genutzt.

Der nächste Tag sollte uns nach Schwerin führen. Auf Empfehlung von Herrn Frank, der schon einmal dort war, unternahmen einige von uns eine Stadtrundfahrt. Dieser Tipp war Gold wert! Schwerin ist eine wunderwunderschöne Stadt! Einzelheiten hier aufzuführen würde den Rahmen sprengen, aber eine Reise dorthin sollte bei jedem ganz oben auf der „bucket list“ stehen!!! Und somit fuhren wir alle wohlig müde und absolut zufrieden wieder nach Hause.


Auf Wunsch von (fast) allen Mitreisenden stand auf dem darauffolgenden Tag „Schiffchen fahren“ auf dem Programm und somit fuhren wir in die Hansestadt Wismar. Auf dem Weg vom Parkplatz zum Hafen hatte Herr Frank eine dicke Überraschung für uns: eine Sightseeingtour der etwas anderen Art. Sie führte uns zum Fracht –und Containerhafen (oder kann es vielleicht auch sein, dass Herr Frank sich verlaufen hat?? Nee, oder??   ).

Nach langem Fußmarsch erreichten wir dann ENDLICH  ( ) den Hafenbereich, von dem aus man z.B. eine Hafenrundfahrt unternehmen kann. Bei Sonnenschein, aber steifer Brise sind wir losgeschippert. Es hat echt Spaß gemacht und wir haben viel erfahren über die Entwicklung in und um diesen Hafen, insbesondere nach der Grenzöffnung. Anschließend gab es natürlich das obligatorische Fischbrötchen. Ein Teil von den Jungs wollte noch etwas bleiben und shoppen gehen, sodass sich Herr Frank seinem Schicksal ergeben hat und bei ihnen blieb, während der „Rest“ mit Frau Heimann zurückfuhr.

Unser letzter Tag stand zur freien Verfügung, d.h. einige sind Bootchen auf „unserem“ See gefahren, andere haben ein angrenzendes großes verlassenes Art Industriegebiet erkundet. Und wieder andere haben die Inhaberin des dortigen Secondhand-Shops zu Reichtümern gebracht. Es gab dort eine Riesenauswahl der unterschiedlichsten Sachen, herrlich zum Stöbern (UND natürlich auch zum Kaufen!!)!

Am Abend haben uns die BetreuerInnen in ein liebevoll eingerichtetes Restaurant mit wunderschönem Ambiente und hervorragendem Essen eingeladen (vielen, vielen Dank dafür!) und wir haben es uns kulinarisch sehr, sehr gutgehen lassen.

Am Samstag hieß es dann schon wieder Abschied nehmen und Herr Frank und Frau Heimann brachten uns heil und wohlbehalten nach Hause. 

Ein Reisebericht von Martina Feldmann

   


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